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Das Jazzophon

und sonstige Doppel-Becher und Saxophonförmige Trompete

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Das Jazzophon ist ein fast vergessenes Instrument, eine Ventiltrompete in Saxophon-Form aber mit zwei Schalltrichtern. Im zweiten Schallstück ist ein Wa-Wa-Dämpfer eingebaut. Während einer Aufführung am 3. Juli 2011 zeigte Scott Robinson die Möglichkeiten dieses Instruments. Das Jazzophon hat die üblichen 3 Périnet-Ventile einer Trompete und dazu noch ein viertes Ventil, das den Luftstrom zum zusätzlichen Schalltrichter mit eingebautem Dämpfer umleitet. Mit einer Tremolo-Vorrichtung kann man Wah-Wah-Effekte vollführen. Das Jazzophon hat ein Trompetenmundstück. Das Instrument wurde in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts als billige Alternative zu dem damals sehr populären Saxophon auf den Markt gebracht.

Das Jazzophon

Anfang 2010 fand ich ein Jazzophon, Gertjan Hos aus Assendelft hätte ihm zum Verkauf angeboten. Der Onkel eines Freundes der im Zweiten Weltkrieg im Arbeitseinsatz in Deutschland war, brachte ihm kurz nach den Krieg zuhause. Da gab's noch einen, in Amerika, wüsste Hos. Das hat meine Neugier gekitzelt. Ein paar Wochen googeln und einzige E-Mails erteilten weitere Informationen. Hier finden Sie alles, was Sie schon immer über das Jazzophon wissen wollten und mehr.

Jazzophon, Nickel, gold Becher, "wahrscheinlich Huller", 1920's, ehem. Coll. Erik Totham, Kalifornien, USA

Die Wurzeln liegen in der Region um Graslitz und Markneukirchen, dem sogenannten Musikwinkel. Die meisten Jazzophone wurden zwischen 1925-1930 gebaut.Das Jazzophon war kein Erfolg ebenso wie viele andere neu erfundene Saxophon-ähnliche Instrumente der damaligen Zeit. Verklungen, weil das Naziregime Jazz verboten hat, oder betroffen von  der Weltwirtschaftskkrise? Oder gab es zu wenig passende Musik und war es zu schwer zu spielen? Die Gruende sind nicht deutlich.  

Der Musikwinkel im Vogtland

Der Musikwinkel ist das Gebiet um Markneukirchen und Klingenthal im Vogtland. Hier siedelten sich böhmische Exulanten aus dem Grenzort Graslitz an, die im Zuge der Gegenreformation aufgrund ihres evangelischen Glaubens ihre Heimat verlassen müssten. Sie brachten die Kunst des Geigenbaus in die Stadt. Nach und nach entwickelten sich der Bogenbau, die Saitenfabrikation und der Gitarren- und Zitherbau. Die Fertigung von Holzblasinstrumenten und Waldhörnern kamen dazu. So konnte schon frühzeitig nahezu die gesamte Palette klassischer Orchesterinstrumente hergestellt und vertrieben werden. Ab 1829 kam in Klingenthal die Fertigung der Harmonika-Instrumente dazu. Diese Konzentration brachte großen Reichtum in die Region. An der Wende zum 20. Jahrhundert hatten die Instrumente aus den Ortschaften des vogtländischen Musikwinkels einen Weltmarktanteil von ca. 80 Prozent. Von 1893 bis 1916 bestand in Markneukirchen sogar ein US-Generalkonsulat. Zu dieser Zeit war Markneukirchen die reichste Stadt Deutschlands. Zu Reichtum kamen jedoch weniger die Musikinstrumentenbauer, als vielmehr die Händler, die so genannten ´Fortschicker´.

Entstehen des Jazzophons

Das Saxophon wurde von dem Belgier Adolphe Sax im Jahre 1841 erfunden. Er wollte ein Instrument machen das Holzblasinstrumente mit den Blechblasinstrumente verbindet. Es sollte die Beweglichkeit eines Holzblasinstrumentes haben und der Lautstärke eines Blechblasinstrumentes nachstehen.

In den Roaring Twenties, die Jahre nach dem ersten Weltkrieg, avancierte das Saxophon zum führenden Blasinstrument im Jazz und in den Tanzkapellen. Der Jazz hielt aufgrund des Ersten Weltkrieges und der wirtschaftlichen Blockade der Siegermächte erst 1919 seinen Einzug in Deutschland. Vor allem die große Tanzwut der Nachkriegszeit - Ausdruck einer aufgrund der in der Kriegszeit erlittenen Entbehrungen verbreiteten Vergnügungssucht - förderte den Jazz.

Jazz im Deutschland der 20er Jahre war vor allem eine Modeerscheinung. Salonorchester wandten sich dem neuen Stil zu, weil die Tanzenden dies verlangten. Der Jazz breitete sich in den Jahren 1919-1923 rasch aus. Bereits 1924 wurde Jazz zum ersten Mal im Rundfunk gespielt; nach 1926 gab es regelmäßig Radioprogramme mit zunächst live gespieltem Jazz. 1924 -1928 erreichte der Jazz in Deutschland seinen Höhepunkt. Der Jazzboom bis 1928 war so groß, daß auch außerhalb des musikalischen Bereichs von einer Jazzmode gesprochen werden konnte. Um 1930, waren Musiker wie Louis Armstrong und Duke Ellington beim deutschen Publikum beliebt.

Zu dieser Zeit hat ein Mangel an preiswerten Saxophonen und guten Saxophonisten zu der Gestaltung des Jazzophons und auch zur Erfindung des ebenfalls saxophonformigen Normaphons, von Richard Oskar Heber geführt. In diesem Zeitraum kamen viele neue Instrumenten auf den Markt. Dazu gehörten das Swanee-sax von 1922, das Saxie von 1924, das Saxello von 1925 und das Conn-o-sax von 1928.

   Normaphons, Photo copyright Ines Ann Heber                                               

In einem Prospekt aus 1927 der Firma Wunderlich aus Siebenbrunn im Vogtland wird das „Normaphon“ folgendermaßen angepriesen:
Die hohen Preise der Saxophone hält manche Kapellen ab, diese Instrumente anzuschaffen. Und doch wird vom Publikum Saxophon-Musik verlangt. Die Normaphon-Instrumente bieten bei ganz niedrigen Preisen Ersatz für die Saxophone. Zudem kann jeder Trompeter, Hornist, Bassist usw. ohne Umlernen diese Instrumente blasen, sind sie doch nichts anderes als Trompeten, Althörner, Tenorhörner und Es- bzw. B-Bässe nur in anderer Form! Die neuartige Bauart verleiht den Instrumenten einen eigenartigen, dem ohr angenehmen Ton. Moderne Kapellen sollten nicht zögern, diese Instrumente anzuschaffen.“
Das gleiche soll für Jazzophons gegolten haben.

Das Sopran-Normaphon kostete damals RM 76, ein Tenor gab's für 96 RM. Ein Alt-Saxophon kostete 260 bis 550 RM. Der Bruttomonatslohn der Arbeiter und Arbeiterinnen betrug 1925 im Durchschnitt 139 Reichsmark und stieg bis 1928 auf 186 Reichsmark an (und war damit um 8 prozent über das Vorkriegsniveau gestiegen)

 Tanzkapelle uit Immenstadt in de Allgäu in 1930

Hans Rölz

Die erste Anzeige für das Jazzophon erschien am 15. September 1926 in der Zeitschrift für Instrumentenbau aus Leipzig, das Fachmagazin für Macher und Händler von Musikinstrumenten. Es war eine Anzeige von Musikwarenfabrik Hans Rölz aus der tschechischen Graslitz. Rölz hat das Jazzophon im Herbst als Neuheit auf die Messe in Leipzig gezeigt, der Zeitschrift hat darüber geschrieben. Die Anzeige zeigt einen Saxophonförmige Jazzophon und einen Lyraförmige. Für die Frühjahrsmesse des Jahres 1927 wirbt Rölz wieder, dann ist das Lyraförmige Jazzophon aus der Anzeige verschwunden. Das Zeitschrift hätte eine extra Jazz Katalog von Rölz beigefügt. Im April 1927 gab's noch einmal eine Anzeige mit einen Trompetenförmige Jazzophon und das war's.

Rölz war ursprünglich ein Hersteller von musikalischen Spielzeug aber verhandelte aller arten Musikinstrumente. Es gab derzeit eine Niederlassung in der Tschechischen Graslitz und in den nahe gelegenen (deutschen) Klingenthal und Geschäfte in Leipzig und Berlin. Er beschäftigte damals über 200 Mitarbeiter.

D.G.R.M. Registrierung

Eine Monat vor die Anzeige Rölz, am 27. August 1926, erhielt Franz Xaver Hüller eine „Deutsches Reich Gebrauchs Muster“ (D.R.G.M.) Registrierung für das Jazzophon. Das D.R.G.M. war ein begrenztes Design- oder Gebrauchspatent, es war das 'Patent des kleinen Mannes' und gab einen Schutz von drei bis zu sechs Jahren. Das Kaiserliche Patentamt führte das D.R.G.M. ab 1891 ein, es hörte auf zu existieren nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches. Hüllers Jazzophon wurde als 'Saxophon [!] mit Umsteuerungsventil und auf dem Dämpfer vorgesehener Tremoloklappe' angemeldet und mit der Nummer 965.305 registriert, laut der Zeitschrift für Instrumentenbau. Leider wurden die alten Reichsgebrauchsmuster alle vernichtet und sind nicht mehr auffindbar.

Jazzophon D.G.R.M. 995.305 auf der Dämpfer und C.A.Wunderlich Siebenbrunn Vogtl. auf der Seite des offenen Schallbecher. Hebel wurde im Jahr 2002 von Helmuth Voigt in Markneukirchen ersetzt. Koll. Gerard Westerhof.

Franz Xaver Hüller

Franz Xaver Hüller wurde am 29. Dezember 1856 in Pechbach, in der Nähe von Graslitz geboren. Er begann seine Geschäfte im Jahre 1882. F.X. Hüller war  Metallblasinstrumenten- und Trommel-Fabrik und ein Streichinstrumenten- und Saiten-Versandgeschäft. Ab 1923 kam die Saxophonproduktion dazu. In 1926 gab es eine Versandfiliale in Markneukirchen und später auch eine in Klingenthal. Hüller beschäftigte in den Jahren 1910/11 zwischen 200 und 250 Arbeiter. Im Jahre 1920 kamen seine Söhne Anton Riedl und Ernst Modl mit in das Unternehmen und änderten den Namen in F.X. Hüller & Co. Hüller ist in 1936 gestorben. Ab 1941 war Ernst Modl alleiniger Firmenvertreter. Nach Modl`s Tod 1972 erlosch das Unternehmen.

C.A.Wunderlich, Siebenbrunnn

Mit einer bemerkenswert kleinen Unterschied (995.305) kann die D.R.G.M. Anmeldung auf mehreren Jazzophons gefunden werden. Keiner der Jazzophons markiert 'Jazzophon D.R.G.M. 995.305' trägt aber den Namen des Hüller. Einige dieser Jazzophons sind mit C.A.Wunderlich, Siebenbrunn Vogtl. graviert. Zu dieser Zeit war es gängige Praxis, dass Großhändler wie Wunderlich ihren eigenen Namen auf Instrumente gravierten anstelle den Namen des Herstellers oder des Erfinders. In Markneukirchen und der umliegenden Region arbeiteten einige Hundert Hersteller und über zwanzig Großhändler. Letztere waren in der Lage, die Preise und Bedingungen zu diktieren. Daher findet man auf den meisten Instrumenten die Namen des Händlers.

Jazzophon D.G.R.M. 995305 auf dem Dämpfer und C.A.Wunderlich Siebenbrunn Vogtland Germany auf die offene Becher. Ca 1930. Coll. Nick DeCarlis, Gainesville Florida, USA

Carl August Wunderlich (1826-1911) gründete in 1854 die Firma CEA, in Siebenbrunn, in der Nähe von Markneukirchen. In der Firma wurden Blasinstrumente gebaut. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts fand ein Wandel hin zum Großhandel mit sämtlichen Musikinstrumenten statt. In der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts war Wunderlich als einer der bedeutendsten Musik-Großhändler im Vogtland zu sehen. Die Firma bestand noch bis zum 16.9.1966.

Katalog Wunderlich um 1928. Klicken zum Vergrößern

'Von jedem Trompeter, Posaunisten usw. Ohne Umlernen sofort spielbar' heisst es über das Jazzophon in einen Katalog um 1928 von Wunderlich. 'Vorzügliche Effekt-Instrumente für Jazz-Bands',  Neben das Sopran-Jazzophon (100 Reichsmarke) wurden auch Alto und Tenor-Jazzophone angeboten. Daneben gibt es das Jazzophon in Lyraform und ein in Trompetenform (mit Doppel-Becher, Jazzdämpfer und Tremoloklappe).

Max Adler aus Erlbach, im Vogtland, bot den gleichen Instrumenten an in seinem Katalog-Nummer 25 (um 1930). Nur das Alt- und das Tenor-Jazzophon sind verschwunden. Aber bei Ihm gibt es jetzt eine Jazzophon-Posaune mit Doppel-Cup und ein Schaltventil im Angebot. Der Preis für die Sopran-Jazzophon war nun auf RM 140 gestiegen.

Bemerkenswert ist, das die Instrumente in den Anzeigen und Kataloge von jeweils Rölz, Wunderlich und Adler nicht mit "Jazzophon D.R.G.M. 995.305' graviert sind. Dazu haben die auch teilweise eine etwas andere Form, mit einen etwas höheren Dämpfer und gerade statt gebogen Stütze. Was dahinter steckt? Gab es mehrere Hersteller und/oder ein Kampf um die Rechte? Es ist für den Moment noch unklar.

Sonstige Jazzophons

Jazzophon in Trompetenform, 'F.X. Huller & Co, um 1926', graviert Jazzophon/D.G.R.M. 995.305  Trompetenmuseum Bad Säckingen

Jazzophon von Frank Tomes, Londen, hier gespielt in 2009 von David Staff. Keine Hersteller graviert, nur D.R.G.M. No. 995 305. Tomes hat das Jazzophon gekauft von John R.T.Davies, der das gekauft hat in eine Musikladen in Rom während ein Tour mit 'The Temperance Seven' eine englische zwanziger Jahren s tyle jazz/dance band. 

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1 - 2. Jazz-o-phone.  ca.1926, wahrscheinlich Deutsch. Ein Daumen Hebel schickt den Sound durch das Schallstück mit Dämpfer, mit den anderen Hebel betätigt man die Wah-Wah. Verkauft in 2011 aus Koll. Sid Glickman, New York VS

3. Jazzophon D.R.G.M. 995.305. Koll. Attilio Berni, Fiumicino, Italien,

4. Professional Jazzophon D.R.G.M. 995.305 brass, versteigert bei Sotheby's in 1983

5. Jazzophon D.R.G.M 995.305. Koll. Robert Ullery, Virgina, VS, 

6. Jazzophon D.R.G.M 995.30 Koll. Museum Bad Säckingen, Deutschland,

7. Jazzophon, Details unbekannt

8 - 10. Jazzophon D.R.G.M. 995.305 1920's. Hartenberger World Music Collection, Missouri, VS

  Jazzophon in Trompetenform, 'F.X. Huller & Co, um 1926', graviert Jazzophon/D.G.R.M. 995.305  Trompetenmuseum Bad Säckingen

Johan Michl & Sohn

In 2006 wurde ein Jazzophon auf einer Auktion in Vichy, Frankreich angeboten. Die Trompete hatte die Gravur Johann Michl & Sohn, Graslitz. Johann Michl & Sohn waren als Hersteller von Streich-, Holz- und Blechblasinstrumenten von 1870 bis ca.1937 in Graslitz, Böhmen taetig.

Miraphone

Auf einem Jazzophon sind der Name und das Logo der Firma Miraphone graviert. Miraphone entstand als das Sudetenland, mit Graslitz als Zentrum des Musikinstrumentenbaus, nach dem Zweiten Weltkrieg wieder ein Teil der Tschechoslowakei wurde. Der Grossteil der deutschsprachigen Bevölkering wanderte aus oder wurde gezwungen das Gebiet zu verlassen. Dreizehn Instrumentenbauer aus Graslitz gründeten am 13. Oktober 1946 die Produktivgenossenschaft der Graslitzer Musikinstrumentenerzeuger eGmbH'' im bayerischen Waldkraiburg. Sie begann zunächst mit Reparaturen von Metallblasinstrumenten und bereits 1947 entschied man sich auch zum Neubau eines Instrumentes. Ein Jahr später erschien zum ersten Mal das Miraphone-Markenzeichen. Dieses Markenzeichen findet man auf einem Nachkriegs-Jazzophon. PR-manager Kari Theinert dazu: "Unsere Firma hat tatsächlich eine ganze Reihe von Jazzophonen gebaut. Leider gibt es hierzu allerdings keine archivierte Dokumentation oder altes Katalogmaterial mehr. Der Gravur nach zu schließen wurde das abgebildete Instrument circa Ende der 60er Jahre in unserem Betrieb in Waldkraiburg gefertigt. Die meisten dieser Instrumente wurden in die USA exportiert."

Graviert: Miraphone, 1960's, Koll. Erik Totham, California USA

Das Ende des Jazzophons

Mit Beginn der Weltwirtschaftskrise Ende der 20er Jahre setzte auch eine weltweite Krise der Jazzmusik ein. In Deutschland galt der Jazz, in seiner Spielweise Demokratie und Individualismus ausdrückend, nichtarischen Ursprungs und ein Produkt der amerikanischen Lebensart, und war für die Nationalsozialisten unerwünschte, ´entartete Musik´. Bis 1935 blieb der Jazz aber weitgehend unbehelligt. Goebbels Devise war: überreden und überzeugen durch Anti-Jazz-Propaganda statt verbieten. Im deutschen Rundfunk wurde in einem gewissen Umfang noch immer Jazz gespielt, weil dieser, in populäre Tanzmusik eingebettet, dem Geschmack der Mehrzahl der Hörer entsprach. Ab 1935 allerdings verfolgte und verbot das Naziregime die Ausstrahlung des Jazz im Rundfunk. Zum einen wegen der afrikanischen Wurzeln des Jazz und weil viele der aktiven Jazz-Musiker jüdischer Herkunft waren. Zum anderen, weil es bei dieser Musik wie gesagt in gewisser Weise um Individualität und Freiheit geht.

   Ausstellungsplakat, 1938

Anders als in Amerika und Frankreich wurde das Saxophon in Deutschland - da immer mit dem Jazz gleichgestellt - als das 'antideutsche' Instrument schlechthin bezeichnet, schreibt Günther Dullat in seinem Buch über Fast Vergessene Blasinstrumente. Obwohl das nicht das Ende des Saxophons in Deutschland bedeutete. C.A. Wunderlich hat in den Jahren kurz vor dem Krieg noch Saxophone verkauft, jetzt mit einem Adler und einem Hakenkreuz darauf. Die Instrumente waren für das Orchester der deutschen Luftwaffe bestimmt. Und in einen Katalog von 1939 bietet die Firma Hess aus Klingenthal noch ein Miniatur-Saxophon (ein Saxie) an, weil oft 'bei kleinen Heimkapellen usw. die Wunsch auf [will] treten auch ein Saxophon zu haben'.  

Schließlich wurden nur wenige Jazzophons und Normaphons gebaut. Es ist aber nicht klar, ob der Kampf gegen die Jazz- und Swingmusik der (einzige) Grund dafür ist. Das Scheitern des Jazzophons hat wahrscheinlich mehr zu tun mit einem Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage noch bevor die Nazis an die Macht kamen. "Es mag aussehen wie ein Musikinstrument, aber es ist wirklich ein Edsel", schrieb die New York Times im Jahr 2005 in einem Artikel über dass Jazzophon und weitere erfolglose Instrumente. Der Edsel - ein Ford Model aus dem Jahre 1958 - war ein kompleter kommerzieller Misserfolg. Dazu kam auch noch die Weltwirschaftskrise. Von 1929 bis 1932 geht der deutsche Musikinstrumentenexport von 100,52 auf 22,66 Millionen Reichsmark und damit auf weniger als ein Viertel des Warenwerts der „Goldenen Zwanziger“ zurück. Und schließlich ist er auch ein bischen schwer zu spielen....

Normaphon

Das Normaphon wurde vom Markneukirchener Instrumentenbauer Richard Oskar Heber (1872-1938) erfunden und hatte auch eine D.G.R.M. Registrierung, Nummer 51c. 945 751, eingetragen am 26.02.1926 unter der Bezeichnung 'Metallblasinstrument'. Heber hat von 1900 bis 1935 Blechblasinstrumente unter dem Namen Norma gefertigt. Zwischen 1924/25 und 1930 wurden etwa 100 Normaphone gebaut. Heber lobte seinen Normaphon als sehr geeignet für Jazz-Bands 'und sonstige Effekt-Kapellen'. Es gab vier verschiedene Grössen, die meisten waren aber Tenor-Normaphone. Es gab auch ein Sopran-Normaphon mit Echo-Effekt-Umstell-Ventil, ähnlich wie beim Jazzophon. Sie wurden von Großhändler wie C.A. Wunderlich in Siebenbrunn, R.O. Adler in Markneukirchen, Ammon Gläser in Erlbach und M. J. Kalashen in New York verkauft. Auch die Gebrüder Schuster in Markneukirchen, Fabrik und Export von Musikinstrumenten und Saiten, gegründet in 1854, hatten die Normaphon in ihren Katalog Nr. 70, (ca. 1929). Das Normaphon gab es anfangs im Normalstimmung (870 Schwingungen) oder im Amerikanischer Stimmung (880 Schwingungen, A=440Hz.)

Normaphone findet man im National Music Museum der University of South Dakota (tenor), in der Edinburgh University Collection of Historic Musical Instruments, im MIM in Phoenix (alto) und im Trompetenmuseum in Bad Säckingen.

In 1957 hat Nat King Cole in einer seiner Shows 'Rosetta' gesungen, zusammen mit Billy Eckstine wobei Eckstine auf einem tenor Normaphon spielte (ab 2.12").

William 'Hicky' Kelley spielte in 1959 beim Modern Jazz Disciples ein Tenor-Normaphon  (ab track 4).

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1. Sopran-Normaphon D.R.G.M. in 1998 versteigert bei Butterfield & Butterfield

2. Alt-Normaphon, D.R.G.M. Seriennummer 0344, erworben in 2010, Koll. Han Savelkoel, Niederlande

3. Alt-Normaphon  seriennummer 0441, Koll. Heikki Moisio Turku, Finland

4. Tenor-Normaphon Koll. NMM, Vermillion South Dakota VS, erworben in 1977, jetzt im Meredith Willson Museum in Mason City, Iowa

5. Tenor-Normaphon Seriennummer 0315 Koll. Edinburgh University, UK

6. Alt-Normaphon, Seriennummer 150 und Tenor-Normaphon, Seriennummer 350, Koll. Scott Robinson, Teaneck New Jersey, VS

7. Tenor-Normaphon D.R.G.M. Koll. MIM, Phoenix VS., bis 2011 Fiske Museum, Claremont, VS

8. Tenor-Normaphon, D.R.G.M. Germany, restauriert mit neuen Mundrohr in 2012 von Robb Stewart, Koll. Rick Schwartz, Virginia VS

Leopold Renz

Normaphon in Bb coll.: Muziekinstrumentenmuseum Markneukirchen

Leopold Renz, Instrumentenmacher, Berlin, N58 Gaudystr.14, hat dieses Tenor-Instrument gefertigt. Günter Dullat nennt es auch ein Normaphon und behauptet das das Normaphon (diese Normaphon?) in die zwanziger Jahre von Robert Schopper in Leipzig entwickelt ist.

Klingenthal

  Saxförmige Trompete, ca 1955, Hersteller unbekannt

Dieses Instrument wurde in 2005 auf Ebay angeboten. Soll um 1955 gebaut sein in Klingenthal, etwa 5 km von Graslitz entfernt auf der deutschen Seite der Grenze. Angesichts der Länge sieht es aus wie ein Tenor-Instrument.

Drehventile-Trompete

Saxophonförmige Trompete mit Drehventile, Koll. Diether Grosche, Düsseldorf                      Saxophonförmige Trompete in B, Koll. Trompetenmuseum Bad Säckingen

Dieter Grosche hat in seinen Kollektion eine Saxophonförmige Trompete mit Drehventile, wahrscheinlich Deutsch. Das Trompetenmuseum in Bad Säckingen hat auch eine Saxophonförmige Trompete mit Drehventile. Der Katalog: "Anonym. Deutschland, späte 1920er oder 1930er Jahre. Verwandt aber nicht identisch mit dem sog. Normaphon. Soprangröße, schlanke Bauweise; die Drehventile werden oben betätigt."

Das Trompetenmuseum hat auch eine saxophonförmige Trompete in tief-F, aus Deutschland oder Österreich, um 1925:

Keilwerth

Keilwerth Toneking 3000 Seriennummer 27963

In den achtziger Jahren baute Julius Keilwerth eine Saxophonförmige Trompete mit einem Becher, die Toneking 3000. Keilwerth war als Instrumentenbauer in Graslitz bekannt wegen seiner Saxophons. Er zog aber nach dem Krieg nach Nauheim in Deutschland. Er stellte zwischen 1955 und 1980 Trompeten her. Die Saxophonförmige Trompete war ein Entwurf von Gerhard Julius Keilwerth, Enkel des Firmengründers, es wurden nicht mehr als 100 gebaut zwischen 1982 und 1986. Das Trompetenmuseum Bad Säckingen hat eine seiner Saxophonförmigen Trompeten in seiner Kollektion.

Gary Anderson spielte Februar 2010 auf die Keilwerth Toneking 3000 (ab 2.16").

DEG

In den achtziger Jahren baute auch DEG eine Saxtrompete. DEG wurde gegründet van Donald E. Getzen in 1965 in Lake Geneva, Wisconsin, USA, gegründet von Donald E. Getz, nachdem er sich von dem Familienbetrieb Getzen in Elkhorn, USA, getrennt hatte.

DEG Saxophonvormige Trompete. Links: ehem. Kollection Eric Totman, California;  rechts: Kollection Band Museum, Pine Bluff Arkansas VS

In 1994 spielte Trompeter Nargo vom Tokyo Ska Paradise Orchestra offensichtlich auf eine DEG-Trompete in Gold Rush, hier live bei NHK TV (ab 0.40' und ab 2.29')

Andy Taylor  und  Eddie Veit

                                   

Jazzophone von Andy Taylor                                Taylor-Trompete basierend auf den Flügelhorn             Saxförmige Trompete von Eddie Veit           

Der britische Instrumentenbauer Andy Taylor baute in den neunziger Jahren eine Saxophonförmige Trompete die er Jazzophone nannte. Er baute auch eine, die auf dem Flügelhorn basierte. Es waren nur Einzelstücke, sagt er. "Wir haben diese gebaut, weil das schon seit Jahren nicht gemacht wurde und weil es Spa